„Mega-am-Arsch“ – 50 KM wandern rund um Freiburg

 

Was tut man wenn man einfach aus dem Läuferleben rausgerissen wird? Genau man sucht sich neue Ziele bis man wieder fit für das laufen ist.

Genau so war es bei mir. Im Februar 2018 bei der Winterlaufserie Rheinzabern während des 20 km Wettkampfs musste ich vor lauter Schmerzen im Rücken und in den Beinen nach 10 km aufhören. Es war mein erstes DNF. Es tat weh, viel mehr weh als mein Rücken. Ich habe geheult.
Als ich ein paar Wochen später beim Arzt war und er mir eröffnete, dass ich 2 mal an der Bandscheibe operiert werden muss, viel meine Welt wie ein Kartenhaus zusammen. Ich nahm den Befund erstmal hin und fuhr nach Hause. Erst dort realisierte ich, dass ich all meine großen Ziele auf unbestimmte Zeit erstmal auf Eis legen musste. Ich fiel immer mehr in ein Loch, dachte das ich da nicht mehr raus komme. Mein lieber Göttergatte stand immer an meiner Seite, er hat mich immer motiviert und gesagt, dass es irgendwann wieder weiter geht.

Irgendwann waren meine beiden Op´s endlich rum und 6 Monate später durfte ich langsam wieder mit dem Laufen beginnen. Aber wo war meine Motivation hin? Wo waren all meine großen Ziele? Einfach weg. Egal was ich tat, mit dem trainieren ich kam einfach nicht mehr in die Gänge. So verging das Jahr und ich hatte meine Motivation und meinen Ehrgeiz immer noch nicht wieder gefunden.

Megamarsch 50/12 in Freiburg

Irgendwann las ich im Internet vom Megamarsch 50/12 in Freiburg. Das war es, ich fasste wieder Mut. 50 km marschieren in 12 Stunden? Das war etwas das ich noch nie gemacht hatte aber von Anfang an total fasziniert war. Mein Spatzele stand hinter mir, nur 50 km wandern kam für ihn nicht in die Tüte. Also hieß es, entweder ich wandere alleine oder ich suche mir noch ein paar Mitwanderer. Gesagt getan! Egal wen ich fragte, es kam nur ein Kopfschütteln und ein „das ist doch verrückt.“ Bis ich irgendwann in unserer Laufgruppe – Chicken Express Running-Team – Verena fragte. Sie war sofort dabei. Ich streckte weiter meine Fühler aus und siehe da ich hatte noch jemanden gefunden die genau so tickt wie Verena und ich….Beate! Bei ihr musste ich allerdings all meine Überredungskunst zusammen raffen bis ich sie endlich soweit hatte mit zu wandern. Aber am Ende war sie tatsächlich dabei ;-).

Bei meinem Spatzele hatte sich auch was getan, 2 Kumpels aus der Läuferszene wollten auch den Megamarsch wandern, also überredeten sie ihn auch mit zu machen. Die 3 Männer und wir 3 Frauen 50 KM wandern um Freiburg über den Kaiserstuhl.

Am 06.12.19 fuhren wir drei nach Freiburg. Dort trafen wir uns mit Dominic und Martin zu einer Pizza beim Italiener. Es war ein gemütlicher Abend, die Aufregung auf den nächsten Tag spürte ich noch nicht. Dann war es aber endlich soweit, morgens nach einem schnellen Frühstück machten wir uns auf den Weg zum Start vom Megamarsch. Dort angekommen waren wir erst mal überrascht wie viele verrückte es noch neben uns gibt die am Megamarsch teilnahmen. Dort traffen wir dann auch Verena, Dominic und Martin. Nach einem kurzen Gruppenfoto stellten wir uns in die Startaufstellung. Es war eine tolle Stimmung. Meine Aufregung wuchs aber ich hatte keine Angst. Ich machte mir bis dahin nicht wirklich Gedanken was es heißt 50 km zu marschieren.

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Vor dem Start noch schnell ein Gruppenbild

Der Startschuss fiel und alle Wanderer machten sich auf den Weg. Am Anfang war es ziemlich eng. Bis sich der Wanderschwarm entzerrt hatte, dauerte es bis ca. KM 11. Da war dann auch die erste Verpflegungsstelle. Bis dorthin verlief alles wie im Flug. Wir lachten und quasselten und kamen mit dem einen oder anderen Wanderer ins Gespräch. Es war toll so viele Verrückte auf einem Haufen zu sehen. Bei der Verpflegungsstelle war ganz schön was los aber dennoch ging es eigentlich ziemlich flott. Wir deckten und mit Getränken und Essen ein und weiter ging`s. Es war wunderschön durch die Natur zu wandern. Als Kind hasste ich wandern, hätte nie gedacht das ich das mal freiwillig mache. Dann ab KM 17 spürte ich das an meinen Füssen sich langsam aber sicher ein paar Blasen breitmachten. Zähne zusammen beißen dachte ich mir. Bei Km 25 gab es eine kleine Verpflegungsstelle mit Krombacher Bier. Bis dahin musste ich auf jeden Fall durchhalten. Ich wollte mich nicht irgendwo an den Straßenrand setzen und meine Füsse verarzten.

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Hier war die Welt noch in Ordnung 🙂

Die Füße voller Blasen

Mein Männle und seine Truppe waren schon bei km 29 als wir bei 25 km ankammen. Wir waren über Handy immer in Kontakt. Als ich die Verpflegungsstelle sah war ich überglücklich …. endlich meine Füße zu verarzten. Als ich meine Schuhe und Socken auszog waren es noch ganz kleine Blasen die man noch nicht richtig sah aber spürte. Mit dem Blasenpflaster bedeckte ich meine Blasen, wechselte die Schuhe und Socken aber es war zu spät. Ich machte einen sehr sehr dummen Fehler. Ich startete meine Wanderung mit nagelneuen Socken, ohne sie vorher gewaschen und getragen zu haben. Und meine ebenfalls neuen Schuhe hatte ich noch nicht mal 50 km getragen. Das wurde mir nun zum Verhängnis. Ich sagte mir aber…so ..du musst jetzt da durch. Man konnte alle 10 km aussteigen wenn man wollte. Es waren schon einige dabei, die bei KM 20 ausstiegen. Das kam für uns jedoch nicht in Frage. Als wir uns mit Krombacher alkoholfrei eingedeckt hatten, machten wir uns wieder auf den Weg. Bei KM 29 kam dann die nächste Verpflegunsstelle, bei der wir uns wieder mit allem möglichem versorgten und durch futterten. Meine Blasen wurden immer mehr, größer und sie schmerzten. Aber Aufgeben wollte ich nicht, also weiter auf die Zähne beißen. Es sind nur noch 21 km also nicht mehr weit 😉 sagte ich mir.

 

Der Kaiserstuhl

Wir marschierten wieder los bis es kam wie es kommen musste. Vor uns lag der Kaiserstuhl den wir hoch marschieren mussten. Von KM 34 bis KM 37 ging es hoch. Die letzen 500 Meter waren die Hölle auf Erden für mich. Ich war am Ende und konnte einfach nicht mehr, Aufgeben kam immer noch nicht in die Tüte. Eine Mitmarschierende gab mir erstmal 2 Salztabletten, da ich etwas weiß um die Nase war. Danach ging es mir wieder besser. Als wir endlich die Spitze des Kaiserstuhls erreicht hatten, waren wir bei KM 37. Meine Blasen schmerzten so sehr, weshalb wir dann auch etwas langsamer wurden. Jetzt ging es erstmal 3 KM lang nur bergab. Es war heftig. Man musste aufpassen nicht auf dem vielen Laub auszurutschen oder über eine Baumwurzel zu stolpern.

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Den Kaiserstuhl hoch war echt heftig

Endlich unten angekommen war auch schon die letze Verpflegunsstelle bei km 40 in Sicht. Es war zwischenzeitlich schon dunkel geworden und ich konnte meine Füsse nicht mehr versorgen. Egal dachte ich mir …du musst weiter, jetzt sind es doch nur noch 10 Kilometer. Wäre doch gelacht wenn ich dass nicht auch noch schaffe.Also machten wir 3 Damen vom Grill uns wieder auf den Weg. Die letzen 10 km zogen sich ohne Ende an der Bundesstraße und auf einem unendlich langen Damm entlang. Bei Tageslicht bestimmt schön aber im dunkeln….naja. Bei km 43 rief mich mein Mann an, wo wir denn gerade seien. Unter Tränen schluchzte ich …“noch 7 KM.“ Ich war fertig, hatte Schmerzen an den Füssen meine Beine taten weh. Besser gesagt mir tat eigentlich so ziemlich alles weh. Verena hatte sich etwas nach vorne abgesetzt, sie hatte noch etwas Dampf im Kessel. Ich lief in der Mitte und Beate hatte sich hinter mir eingereiht. So troteten wir, jeder mit sich uns seinen Schmerzen beschäftigt vor sich hin. Aufgeben stand jetzt eh nicht mehr zur Debatte. Ich hatte die Mädels überredet hier mitzumachen und jetzt kurz vor dem Ziel aufzugeben? Nein das kam nich in Frage.

Bei KM 47 kam der nächste Anruf vom Göttergatten, wo wir denn jetzt gerade wären. Er saß schon gemütlich bei Dominic zu Hause auf der Couch frisch geduscht und bei Plätzchen und Kaffee. Ich sagte, dass ich nicht mehr könne. Er versuchte mich etwas aufzumuntern. Das ich jetzt so kurz vor dem Ziel nicht schlapp machen solle. Er würde mit Dominic im Ziel auf uns warten.

Verena schimpfte inzwischen vor mir das blaue vom Himmel herunter und weinte 🙂 …bin ich froh, dass ich sie nicht verstanden habe…hihihi. Beate schluchzte hinter mir und führte Gespräche mit sich selbst. Und ich? Ich kämpfte auch mit den Tränen. Ich war am Ende meiner Kräfte. Konnte keinen Meter mehr gehen aber es waren jetzt nur noch 3KM, die würde ich doch jetzt noch irgendwie schaffen. Als plötzlich ein Krankenwagen an uns vorbei fuhr überlegte ich kurz ob ich ihn anhalten sollte damit er mich ins Ziel bringen solle aber ich wollte es unbedingt schaffen.

Jeden kleinen Stein spürte ich trotz Trailschuhen an meinen Füssen. Irgendwann spürte ich, dass sich eine Blase geöffnet hatte bzw. ich sie mir blutig gelaufen hatte. Aber darüber nach zu denken brachte jetzt auch nichts mehr. Als wir endlich bei km 49 ankamen, konnte ich meine Tränen nicht mehr zurück halten. Ich heulte wie ein Wasserfall. Uns kamen Wanderer entgegen, die uns aufmunterten jetzt bloß nicht aufzugeben, es sei ja nicht mehr weit. Das war mir in dem Moment sowas von egal, ob das Ziel gleich da vorne ist oder nicht und ob ich diese blöde Medaille bekomme oder nicht.

Das Ziel

Dann hörte man schon die Mega Stimmung. Über den Lautsprecher wurde jeder Wanderer herzlich begrüßt. Kurz vor dem Ziel wartete Verena mit verheulten Augen auf uns, bis Beate mit ihren und ich mit meinen verheulten Augen dazukamen. Dann liefen wir zu dritt Hand in Hand durch das Ziel. Es war mega. Ich bekomme jetzt beim schreiben immer noch Gänsehaut wenn ich dran denke.

Endlich bekam ich das Luder von Medaille um meinen Hals gehängt. Ich konnte es noch immer nicht fassen es tatsächlich geschafft zu haben. Kurz danach verabschiedete Verena sich von uns, sie wollte nur noch nach Hause fahren. Beate und ich holten uns noch den Stempel für den Wanderpass und unsere Urkunde ab. Plötzlich merkte ich wie langsam mein Kreislauf zusammen sackte. Zum Glück hatte Dominic sein Auto im Ziel Bereich geparkt und fuhr uns zu unserem Auto.

Zu Hause angekommen bewunderte ich noch kurz meine Blasen bevors nach einer schnellen Dusche ins Bett ging. Ich konnte nicht glauben wie man mit sowas auch nur einen Meter laufen kann. Es war die Hölle. Ich kam definitiv an meine Grenzen, mental so wie körperlich. Jetzt nach 4 Wochen sind meine Blasen verheilt und ich wäre wieder bereit einen Megamarsch zu machen. Erst vielleicht nochmal einen mit 50 KM und dann den 100 KM Marsch. Wie ihr seht geht alles, man muss es nur wollen. Ach übrigens….meine Motivation und den Ehrgeiz hab ich inzwischen auch wieder gefunden 🙂 In diesem Sinne – Der Schmerz geht aber der Stolz bleibt.

Mein Stoßdämpfer ist verrutscht

2018 sollte „mein Laufjahr“ werden, doch leider kam alles anders wie gedacht. Nach dem Frankfurt Marathon im Herbst 2017 war ich echt motiviert und hatte mir natürlich  meine Ziele für den Frühjahrsmarathon noch höher gesteckt. Ich hatte einfach Spass und Freude am Laufen, doch als ich dann mitte Februar während des 20 KM Laufs der Winterlaufserie Rheinzabern starke Schmerzen im unteren Rücken bekam und den Lauf dann sogar abbrechen musste, war mir klar das da was nicht stimmt. „Mein Stoßdämpfer ist verrutscht“ weiterlesen

Ich laufe Marathon

Mit dem emotionalen Zieleinlauf in der Frankfurter Messehalle beim Frankfurt Marathon 2017 hat sich für mich mal wieder ein Kreis geschlossen. Im Ziel konnte ich deshalb auch meine Tränen der Freude nicht mehr zurückhalten. Als mein Mann Wolfgang 2013 bei seinem vierten Marathon mit breitem Grinsen über den roten Teppich ins Ziel lief war das für mich nun endlich der Tritt in den Hintern. Seine Begeisterung über das Laufen akzepierte ich zwar, konnte sie aber bis zu diesem einen Moment nicht wirklich mit ihm teilen. Doch dann war es passiert. „Das will ich auch,“ dachte ich mir in dieser einen Sekunde und begann einige Wochen später dann selbst mit dem Laufen. Dass ich nun tatsächlich 4 Jahre später an diesen Ort zurück kehrte und diese Begeisterung und die unglaublichen Emotionen in mich aufsaugen konnte ist einfach nur hammergeil, ich liebe es! „Ich laufe Marathon“ weiterlesen